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In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden / Ortschaften die zur Pfarrei Heiliger Franz von Assisi gehören.

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Bild: Franz von Assisi, siehe [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons

Donnerstag, 07. Mai 2020

Brief von Herrn Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zur aktuellen Situation in unserer Pfarrei

Bischof Dr. Wiesemann Pressefoto Bistum Speyer

An die Gläubigen der Pfarrei Hl. Franz von Assisi Queidersbach und die Bewohnerinnen und Bewohner der Ortsgemeinde Queidersbach

Liebe Schwestern und Brüder in der Pfarrei Heiliger Franz von Assisi,
sehr geehrte Damen und Herren,

in der Woche nach Ostern habe ich Ihren Pfarrer Dr. Patrick Asomugha aus großer Sorge um seine Sicherheit von seinen pfarrlichen Aufgaben in Queidersbach entpflichtet. Das geschah nach einem ausführlichen persönlichen Gespräch mit Pfarrer Dr. Asomugha und im vollständigen gegenseitigen Einvernehmen. Dieser Schritt ist ihm und mir nicht leicht gefallen. Mit großem Engagement hat er seinen Dienst in der Pfarrei Queidersbach verrichtet. Dafür möchte ich ihm von Herzen danken.

Mit Sorge erfüllt mich allerdings die schwierige Situation in Ihrer Pfarrei. Seit dem vergangenen Jahr wurden vom Bischöflichen Ordinariat Speyer schon viele Briefe aus der Pfarrei Queidersbach beantwortet und zahlreiche Gespräche und Telefonate geführt. Mit diesem offenen Brief wende ich mich an alle Mitglieder der Pfarrei und darüber hinaus an alle Bewohnerinnen und Bewohner des Pfarreigebietes. Ganz ausdrücklich richte ich mein Schreiben an die Verfasserinnen und Verfasser der Briefe, die an mich persönlich oder an die unterschiedlichen Fachstellen des Bischöflichen Ordinariats gerichtet waren. Mit diesen Zeilen will ich aber auch diejenigen ansprechen, die in Leserbriefen, Interviews und Beiträgen in den sozialen Medien ihre Sorge und ihren Ärger kundgetan haben.

Ich kann mir vorstellen, wie sehr Sie alle die Geschehnisse belasten. Das alles lässt auch mich in keiner Weise unberührt. Ich frage mich: Welche Unterstützung braucht es jetzt, damit die Konflikte konstruktiv angegangen werden können? Gleichzeitig fühle ich mich Pfarrer Dr. Asomugha eng verbunden und stehe mit ihm in intensivem Austausch.

Überzeugt und hoffnungsfroh hatte ich nach der Versetzung von Pfarrer Steffen Kühn nach Kaiserslautern entschieden, Pfarrer Dr. Patrick Asomugha die Leitung der Pfarrei Heiliger Franz von Assisi zu übertragen: Ein Priester der Weltkirche, dem der Ruf vorausging, seinen priesterlichen Dienst lebendig, authentisch und kompetent auszufüllen.

Im Nachgang zu meinem Visitationsbesuch im Oktober 2018, wo mir – sicherlich auch verursacht durch die längere Vakanz der Pfarrei – von Startschwierigkeiten berichtet worden war, machten wir im Jahr 2019 Pfarrer Dr. Asomugha das Angebot, ihn in seiner neuen Rolle als Leiter der Pfarrei und in der Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen zu unterstützen. Mit seiner ausdrücklichen Zustimmung wurde ihm in der zweiten Jahreshälfte ein Coach und Supervisor zur Seite gestellt. Mehrfach meldete Pfarrer Dr. Asomugha uns zurück, wie wohltuend und wichtig ihm diese Unterstützung sei.

Zusätzlich setzten wir im Sommer 2019 ein professionell ausgebildetes Team unserer Gemeinde- und Organisationsberatung ein mit dem Ziel, die Teamarbeit im Pastoralteam und im Pfarrbüro zu verbessern. Dabei sollte das Pastoralteam auch dabei unterstützt werden, zusammen mit dem Pfarreirat das pastorale Konzept mit der veränderten personellen Situation und den neuen pastoralen Herausforderungen in Einklang zu bringen.

Seit dieser Zeit fanden vonseiten der zuständigen Fachstellen des Bischöflichen Ordinariats immer wieder Gespräche mit dem Pfarrer und Vertreterinnen und Vertretern von Pfarreirat und Verwaltungsrat statt. Aus ihnen konnte man entnehmen, dass man sich trotz der Anlaufschwierigkeiten auf einen guten Weg zu einem besseren Miteinander begeben hatte. Mehrere Gespräche mit Pfarrer Dr. Asomugha führten in dieser Phase ich selbst, Generalvikar Andreas Sturm und die Leiterin der Personalabteilung, Ordinariatsdirektorin Christine Lambrich.

Umso mehr beunruhigten uns im Sommer 2019 Berichte und Briefe aus Queidersbach, in denen von rassistischen Äußerungen gegenüber dem Pfarrer die Rede war. Aus diesem Grund wurde im Auftrag meines Generalvikars von unserem Mitarbeiter, Dr. Thomas Kiefer, im Juli vergangenen Jahres ein offener Brief in Ihre Pfarrei geschickt. Darin war nachzulesen, dass das Bistum an der Seite von Pfarrer Dr. Asomugha steht und jede Form von Rassismus absolut verurteilt wird. Im Sinne der Aufarbeitung gab es anschließend mehrere Gespräche mit dem Pfarrer und den verantwortlichen Vertretern der Pfarrei. Und es folgte eine mit Pfarrer Dr. Asomugha erarbeitete Erklärung, die im August 2019 in allen Gottesdiensten verlesen wurde. Darin stellte Pfarrer Dr. Asomugha klar, dass „offene, fremdenfeindlich motivierte Übergriffe oder aggressive rassistische Anfeindungen gegen meine Person nicht stattgefunden haben“, wenngleich er die Möglichkeit nicht ausschloss, dass „einige Leute solche Einstellungen unter sich geäußert haben.“ In dieser Stellungnahme schaute der Pfarrer auch selbstkritisch auf sich selber, richtete seinen Blick aber nach vorne „auf die Frage, wie wir innerhalb der Pfarrei Heiliger Franz von Assisi in Queidersbach konstruktiv, zukunftsorientiert und mit gegenseitiger Wertschätzung eine Pfarrei in sechs Gemeinden leben können.“

Eine Zäsur und zugleich eine Zuspitzung der Geschehnisse vollzog sich durch verschiedene kriminelle Taten: zweimal wurde in sein Pfarrhaus eingebrochen und die Reifen seines Autos wurden zerstochen. Vor diesem Hintergrund kamen im September 2019 die Leiterin der Personalabteilung, Ordinariatsdirektorin Christine Lambrich, und der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Domkapitular Franz Vogelgesang, zu einer Aussprache aller Pfarrgremien in die Pfarrei. In diesem offenen Gespräch ging es darum, auf die Erfahrungen aus der Pfarrei zu hören, gemeinsam die Situation zu bedenken und auszuloten, was in dieser Lage von Nöten ist und wie vor allem im Hinblick auf die anstehenden Wahlen die Zusammenarbeit der verschiedenen Pfarrgremien besser gelingen kann.

Das Zerstechen der Autoreifen war für mich Anlass, mit Pfarrer Dr. Asomugha ein langes persönliches Gespräch zu führen. Ich habe ihm gegenüber meine Sorge um seine Sicherheit zum Ausdruck gebracht und ihm meine volle Unterstützung zugesichert. Mir war es wichtig, Pfarrer Dr. Asomugha den Rücken zu stärken. Ich habe ihm aufgetragen, sich sofort bei mir persönlich zu melden, falls eine Verschärfung der Situation eintrete. Wir sind gemeinsam übereingekommen, dass, sobald die Sicherheit seiner Person nicht mehr gegeben sein sollte oder er selbst unter der Situation so leiden sollte, dass seine Gesundheit gefährdet ist und er für sich keine Zukunftsperspektive an der jetzigen Stelle sieht, er die Pfarrstelle verlässt und wir gemeinsam nach einem neuen Einsatzort schauen. Wir vereinbarten, die Wahlen der Pfarrgremien abzuwarten, um dann gemeinsam einzuschätzen, ob eine realistische Chance für ein gutes Weiterwirken vor Ort besteht.

Für mich erfreulich war die große Bereitschaft vieler Ehrenamtlicher, sich im November als Kandidatinnen und Kandidaten in die neuen Gremien wählen zu lassen. Nicht nur Pfarrer Dr. Asomugha, sondern auch ich deutete dies als ein eindeutiges Zeichen, dass man vor Ort gewillt ist, trotz aller Irritationen geschwisterlich zusammenzuarbeiten.

Die verschlüsselte Morddrohung vor wenigen Wochen hat die Konflikte neu angefacht und die Hoffnungen auf ein besseres Miteinander im Keim erstickt. Die Bedrohung hatte jetzt ein Ausmaß angenommen, dass die Sicherheit von Pfarrer Dr. Asomugha nicht mehr gegeben war und es unverantwortlich gewesen wäre, ihn dieser Gefahr noch länger auszusetzen. In einem Gespräch zwischen Pfarrer Dr. Asomugha und mir haben wir daher gemeinsam entschieden, dass er die Pfarrei Heiliger Franz von Assisi verlässt. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war einzig und allein die Sorge um seine persönliche Sicherheit. Entgegen mancher Vermutungen hat keinerlei anderweitige Beeinflussung stattgefunden.

Ich werde zusammen mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhin alles daran setzen, um der komplexen Konfliktsituation gerecht zu werden. Es kommt in meinen Augen jetzt darauf an, die Geschehnisse gemeinsam aufzuarbeiten und Wege der Versöhnung und des Friedens zu finden. In Anbetracht der schwierigen Situation mitsamt der gegenseitigen Verwerfungen, dem aufgebauten Misstrauen und der im Raum stehenden Vorwürfe bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es für eine möglichst umfassende Aufarbeitung des Geschehenen und für die Ermöglichung einer zukunftsorientierten Versöhnung, die auf die gesamte Pfarrei mit allen ihren Gemeinden bezogen sein muss, eine externe, kirchlich unabhängige und professionelle Mediation eingeschaltet werden muss. Dazu ergänzend sind sicherlich auch alle guten Vermittlungsangebote vor Ort hilfreich, wie das anerkennenswerte Angebot des Queidersbacher Bürgermeisters Ralph Simbgen, dem ich an dieser Stelle für seine Bereitschaft und seinen Einsatz danken möchte. Durch einen solchen Mediator, den ich nach Rücksprache mit den Verantwortlichen in der Pfarrei einsetzen möchte, verbinde ich die Hoffnung, dass Wege der Verständigung und Versöhnung miteinander gefunden werden können.

Trotz der Schwierigkeiten, die uns die Corona-Krise bereitet, ist es mir daher ein großes Anliegen, dass zeitnah Möglichkeiten des gegenseitigen Austausches mit den Verantwortlichen in der Pfarrei, insbesondere dem Pastoralteam und dem Pfarreirat, gefunden werden. Mir ist wichtig, dass für die Planung des weiteren Vorgehens die Sichtweisen und Erfahrungen der Verantwortlichen in der Pfarrei einbezogen werden. Mein Generalvikar Andreas Sturm ist auch gern bereit, zu einem persönlichen Gespräch vor Ort zu kommen.

Im Blick auf die Zukunft von Pfarrer Dr. Asomugha verspreche ich Ihnen, dass ich mit ihm zusammen nach einer Stelle suchen werde, an der er sich wohlfühlen und als Priester auf gute Weise mit den ihm gegebenen Charismen wirken kann.

Liebe Schwestern und Brüder! Aus meinen Zeilen entnehmen Sie, dass auch mir die Auseinandersetzungen ans Herz gehen und Kummer bereiten. Dennoch will ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir als Christinnen und Christen von unserem Gott immer wieder die Kraft und das Vermögen zur Versöhnung geschenkt bekommen. Gerne berufe ich mich dabei auf den Verfasser des Kolosserbriefes, der sich schon in der Zeit der ersten christlichen Gemeinden um ein friedliches Miteinander bemühte:

Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.(Brief an die Kolosser 3, 12 -15)

Das ist mein inniger Wunsch. Ich bin mit Ihnen allen in der Hoffnung verbunden, die uns Christus, unser Friede, schenkt. Ich grüße Sie herzlich und erbitte den Segen Gottes für Sie und für eine gute Zukunft der Pfarrei, die unter dem großartigen Patronat eines Heiligen steht, der in seiner Demut, Liebe und Geduld auch ein großer Versöhner war.

Ihr

Dr. Karl-Heinz Wiesemann
Bischof von Speyer

 

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